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Stížnost Antonína Nováka na potíže ve škole z 11.6.1830.

Hochwürdiger Herr Pfarrer ! Hochzuverehrendester Vorsteher der dasigen Schule!

Mittwoch als den 9ten dieses Vormittags beim nach Hausegehen der Schüler aus des Gefertigten Klasse vor der deutschen Extrastunde fand der eben mitgehende äußerst ausgelassene Schüler Dominik leiblicher Sohn des hiesigen Bäckermeisters Dominik Marek eine Ruthe, und hauete damit einen seiner Mitschüler Namens Anton Kipiena fort, bis der Gefertigte dem diese Schüler begleitete dazukam. Als sich derselbe aber zu diesem bösen Schüler näherte, um ihm diesem Ausgelassenheit wegen einen Verweis zu geben, sprang derselbe aus der Reihe, und floh davon weg. Das nämlichen Nachmittags eben bei der Extrastunde hielt der Gefertigte dem besagten bösen Schüler seine oberwähnte Ausgelassenheit vor, verwies ihn auf die bestehende Schulgesetzte, und bestrafte ihn dafür mit einem Stäbchen bloß durch einen Streich auf eine jede Hand. Nach derselben Extrastunde mußte der Gefertigte zu einer Leiche gehen, in dieser seiner Abwesenheit kam die Mutter desselben Schülers respecte die Gattin des obbesagten Bäckermeister Marek mit größter Furie in des Gefertigten Klasse, schmähete da über daselben in Gegenwart der musicirende Jugend sehr, daß er ihr Kind so gestraft hatte, und sagte unter anderen, er sollte es nicht wünschen, daß ihr Mann über ihn kommen möchte. Heute Vormittags kam der hiesige Herr Cooperator Pater Anton in die Klasse des Gefertigten, und sagte, ob der Schüler Marek hier wäre? Der aber nicht erschienen ist. Jetzt machte er dem Gefertigten bekannt, daß dieser böse Knabe gestern bei der Procession sehr augelassen sich betragen hätte, und da derselbe von einem aus dem 3ten Abtheilung von ihm selbst zum Aufsicht über die Schulkinder bestellen größeren Schüler deswegen aufgezeichnet wurde, daß die Mutter des bösen Knabe resp. die Gattin des Bäckermeisters Marek über denselben Schüler und die getroffene derley Anstalt sehr geschimpft hätte, er sehe sich daher gezwungen, es bei dem Polizeykomissär Herrn Rath Schwarz anzugeben, was der Gefertigte nichts weniger als billig und höchst nöthig heißen mußte. Nachmittags da die ganze Klasse bereits vesammelt war, und Der Gefertigte mit seinen Schüler das Gebeth vor der Schule verrichten wollte, brachte der Kriegelmachergesell Niemetz als Schwager des besagten Bäckermeisters Marek seine Knaben in die Schule mit der Angabe, der Knabe fürchte sich in die Schule zu gehen, indem die Kinder ihn geschreckt hätten, der Gefertigte mit dem Herrn Pfarrer und Pater Anton hätten gesagt daß er wegen der gestrigen Procession einen Pardus bekommen müssen, wovon aber weder ich noch meine Schüler nicht das Mindeste wußten. Noch in dessen Gegenwart kam endlich der obbesagte Bäckermeister Marek so wie es seine Gattin bereits am 9te dieses angedroht hatte eben mit seinem oberwähnten bösen Knaben in die Schule, und fing an als Rasender zu lärmen, der Gefertigte möchte sagen, ob er seinen Knaben nicht unterrichten wolle, er werde ihn gleich anderwärts unterrichten lassen, dann soll aber er kein Schuldgeld mehr von ihm abfordern. Der Gefertigte ermahnte ihn mit aller Güte: Herr Marek übereilen Sie sich nicht, itzt ist die Zeit nicht dazu, wir können schon nach der Schule davon sprechen; nichts weniger als diese sanfte Ermahnung zu hören, fing er erst an: Ty sakramenský chlape, ty honáku z Drnovic, ty mnie budeš moje djtie bit, já jsu doleko vìtssi pán než ty, a tak ti hned tu hlavu roztluèu, dann gab er dem Gefertigten einen Bruststoch so, daß er bald umgefallen worden wäre, und seitdem eine bedeutende Beklemmung an der Brust empfinde. Der Gefertigte schickte alsogleich seinen Präparanden Kilian diesen Vorfall Euer Hochwürden anzuzeigen, allein ehe Hochdieselben in die Schule zu kommen geruheten, befihl derselbe Marek seinen Knaben nach Hause zu gehen, und ging auch selbst davon, der Gefertigte sagte ihm, er möchte warten bis der Herr Pfarrer kommen würde, er aber kehrte um, und wollte ihm noch Ohrfeigen versetzen, da derselbe aber solche ausgewichen hatte, so ging er dann fort, und schimpfte über den Gefertigten durch die ganze Kirchengasse so wie in der Schule. Dieser Bösartige Mensch hat nicht nur dieses gethan, sondern früher schon sammt seiner Gattin dem Gefertigten, und als sein ausgelassener Knabe noch in der 1ten Abtheilung war, auch dem Gehilfen öffentlich in der Schule und auf der Gasse Grobheiten angehängt.
Euer Hochwürden geruhen danach zu erwägen,
a/ wie es dann möglich ist, einem Lehrer bei allen seinen rastlosen Eifr mit derley Kinder was auszurichten, wenn die Aeltere ihre Ausgelasenheit sogestaltig unterstützen, und den Lehrer in ihrer Gegenwart um sein ganzes Ansehen so schändlich breigen,
b/ was in dem Folge von einem solchen Kinde zu erwarten ist, und
c/ wie schmerzlich es dem Gefertigen nicht fallen muß, wenn derselbe durch sein beispielvolles Betragen und unermüdete Thätigkeit sich so vieler Belobungsdekrete der Hohen Landesstelle und des Hochwürdigten Konsistoriuns würdig gemacht habe, und nach 36 jährigen verdienstvollen Begleitung des Lehramtes von einen bösartigen Menschen so schändlich gemießhandelt werde.
Der Gefertigte sehet sich daher genöthiget gehorsamst zu bitten, Euer Hochwürden gemühen sich seinem dießfalls gnädig anzunehmen, diesen gesetzwidrigen und dem Lehramte äußerst nachtheiligen Vorfall hoheren Orts zur Kenntniß zu bringen, und sich dahin gnädig zu verwenden, damit der bösartige Mensch Dominik Marek nach den bestehenden allerhöchsten Gesetzen zur öffentlichen Genugthuung gezogen würde, und das so sehr verletzte Ansehen des Gefertigten eben durch öffentliche Abbitte ihm wieder ersetzen möchte.
Wischau am 11te Juni 1830
Anton Nowak
2ter Lehrer

Obsah